Herzausreisser - Neues vom Wienerlied

Regie: Karin Berger, A 2008, 35 mm (1:1,85); 85min

SYNOPSIS

Das Wienerlied ist eine Herzensangelegenheit und ein Problem. Erblich erheblich vorbelastet mit Kitsch und Heurigenseligkeit, Chauvinismus und Larmoyanz, hat es in zeitgenössischen Reinkarnationen wieder zu seiner wilden, undisziplinierten Seite gefunden: Dann tönt es unverblümt und offen, komisch und hintersinnig, poetisch und zart, düster und manchmal so traurig-schön, dass es einem das Herz zerreißt.

Auch die in diesem Sinne musizierenden Forscher und Sammler, Melancholiker, Provokateure und Umstürzler, die in Karin Bergers Dokumentarfilm Herzausreisser ausführlich zu Wort kommen, haben zum Wienerlied ein anhaltend ambivalentes Verhältnis. Aber sie haben sich dieses Stück Wiener Populärkultur, von dem keiner endgültig sagen kann, was es nun eigentlich ist, auf ihre je eigene Weise erarbeitet und anverwandelt. Identitätskrisen überwunden, Klischees und Vorurteile ausgemustert, Vorbilder und Klänge ausgeforscht, ihre Instrumente gefunden. Auch von diesen individuellen Aneignungsprozessen erzählt der Film.

Die fragende Bewegung von Herzausreisser führt aber zuerst ein Stück weit in die Vergangenheit: Ins Nachkriegswien, in dem das Wienerlied als Teil der Alltagskultur noch präsenter war. Bald brachten Literaten wie H.C. Artmann das Wienerische oder allgemeiner: Dialekt in ihren Texten neu zum Klingen, unterstützt von kongenialen Interpreten wie Helmut Qualtinger. Und immer wieder (von Karl Hodina bis Kollegium Kalksburg und darüber hinaus) eröffnete die Begegnung mit, die Sehnsucht nach anderen Musikkulturen neue Zugänge zur Tradition vor Ort: I tät zwoa gean in Chikago auf d Wöd kumman sein, i bin owa in Wien auf d Wöd kumma. (Roland Neuwirth)

CREDITS

Buch und Regie: Karin Berger

Kamera: Joerg Burger

Ton: Bruno Pisek

Schnitt: Niki Mossböck

Dramaturgische Beratung: Constantin Wulff

Produktionsleitung: Andrea Minauf

Produzent: Johannes Rosenberger



Verleih: Polyfilm Verleih
DVD: Polyfilm Video
Online-Vertrieb: onlinefilm.org


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